Verifiable Credentials: digitale Nachweise nach W3C-Standard
Respuesta breve
Verifiable Credentials sind digitale Nachweise nach einem offenen Standard des W3C, die ein Aussteller kryptografisch signiert, ein Inhaber verwahrt und ein Prüfer ohne Rückfrage beim Aussteller auf Echtheit, Unverändertheit und Widerruf prüfen kann. Das Datenmodell in Version 2.0 ist seit dem 15. Mai 2025 eine W3C-Empfehlung und Grundlage für Bildungsnachweise wie Open Badges 3.0 und europäische digitale Nachweise.
Lo esencial
- Drei Rollen: Aussteller, Inhaber, Prüfer.
- Kryptografische Signatur macht jede Änderung erkennbar.
- Widerruf über Statuslisten, ohne personenbezogene Daten preiszugeben.
- Maschinenlesbar: Prüfung durch Software in Sekunden.
- W3C Verifiable Credentials Data Model v2.0 ist seit 15. Mai 2025 W3C-Empfehlung.
Das Problem, das Verifiable Credentials lösen
Ein Zeugnis auf Papier lässt sich fälschen, ein PDF noch leichter. Wer prüfen will, ob ein Nachweis echt ist, muss traditionell beim Aussteller nachfragen — ein Anruf beim Prüfungsamt, eine E-Mail an die Personalabteilung. Das dauert, kostet Zeit auf beiden Seiten und funktioniert nicht, wenn der Aussteller nicht mehr erreichbar ist.
Verifiable Credentials drehen das um: Der Nachweis trägt seinen Echtheitsbeweis in sich. Der Aussteller signiert ihn mit einem privaten Schlüssel; jeder, der den zugehörigen öffentlichen Schlüssel kennt, kann prüfen, dass der Nachweis von diesem Aussteller stammt und seitdem nicht verändert wurde. Das funktioniert maschinell, in Sekunden und ohne Anruf.
Wie es funktioniert: Rollen und Ablauf
Das Datenmodell des W3C beschreibt drei Rollen. Der Aussteller (Issuer) — etwa eine Hochschule oder ein Unternehmen — erstellt den Nachweis mit Aussagen über eine Person (Credential Subject), zum Beispiel „hat den Kurs X mit Ergebnis Y abgeschlossen“. Der Inhaber (Holder) verwahrt ihn, etwa in einer digitalen Brieftasche, und legt ihn bei Bedarf vor. Der Prüfer (Verifier) — ein Arbeitgeber, eine andere Hochschule — prüft Signatur, Gültigkeit und Status.
- Ausstellen: Der Aussteller signiert die Aussagen.
- Verwahren: Der Inhaber speichert den Nachweis und entscheidet, wem er ihn zeigt.
- Vorlegen: Der Inhaber gibt den Nachweis — oder nur Teile davon — an einen Prüfer.
- Prüfen: Der Prüfer kontrolliert Signatur, Gültigkeit und Widerrufsstatus.
| Bestandteil | Was er enthält |
|---|---|
| Aussteller | Kennung des Ausstellers, oft als dezentrale Kennung (DID), über die der öffentliche Schlüssel auffindbar ist |
| Credential Subject | Die Aussagen über die Person, z. B. Abschluss, Kurs, Ergebnis, Lernergebnisse |
| Gültigkeit | Beginn und gegebenenfalls Ende der Gültigkeit |
| Status | Verweis auf eine Statusliste, über die ein Widerruf erkennbar ist |
| Nachweis der Echtheit | Kryptografische Signatur des Ausstellers |
Widerruf ohne Datenspur
Was, wenn ein Nachweis zurückgezogen werden muss, etwa nach einem Fehler oder einer aufgedeckten Täuschung? Verifiable Credentials verweisen dafür auf eine Statusliste. Der Aussteller veröffentlicht eine signierte Liste aus Bits; jeder Nachweis kennt seine Position. Ist das Bit gesetzt, ist der Nachweis widerrufen. Das W3C hat dafür den Standard „Bitstring Status List“ verabschiedet.
Der Vorteil für den Datenschutz: Die Liste enthält keine Namen, nur Bits. Der Prüfer lädt die ganze Liste und liest die eine Position — der Aussteller erfährt nicht, wessen Nachweis gerade geprüft wird.
Datenschutz und Datenminimierung
Ein Nachweis, den der Inhaber selbst verwahrt und vorlegt, passt gut zu den Grundsätzen der DSGVO: Der Inhaber kontrolliert, wer welche Daten sieht. Moderne Verfahren erlauben zudem selektive Offenlegung — etwa nur die Angabe „Abschluss vorhanden“, ohne Note und Geburtsdatum. Das entspricht dem Grundsatz der Datenminimierung nach Art. 5 Abs. 1 Buchst. c DSGVO.
Trotzdem bleibt ein Nachweis ein Bündel personenbezogener Daten. Aussteller müssen festlegen, welche Angaben wirklich nötig sind, und sollten personenbezogene Daten nicht in öffentliche oder unveränderliche Register schreiben, aus denen sie nie wieder gelöscht werden können.
Einsatz in Bildung und Beruf
Im Bildungsbereich bauen mehrere Standards auf dem Datenmodell auf. Open Badges 3.0 formt digitale Abzeichen und Zertifikate als Verifiable Credentials. Die europäischen digitalen Nachweise im European Learning Model nutzen ebenfalls die Grundlage des W3C und ergänzen ein qualifiziertes elektronisches Siegel nach eIDAS. Mit der europäischen Brieftasche für die digitale Identität nach der Verordnung (EU) 2024/1183 wird es zudem möglich, solche Nachweise neben dem Ausweis zu verwahren.
Für Aussteller lohnt es sich, zweigleisig zu fahren: ein für Menschen lesbares Dokument — ein PDF mit QR-Code — und der maschinenprüfbare Nachweis dahinter. So kann der Personalchef auf das Dokument schauen und die Software des Bewerbermanagements trotzdem automatisch prüfen.
Schlüssel und Vertrauen: woher weiß der Prüfer, wer ausgestellt hat?
Eine Signatur beweist nur, dass ein bestimmter Schlüssel unterschrieben hat. Der Prüfer muss zusätzlich wissen, dass dieser Schlüssel wirklich zur Hochschule oder zum Unternehmen gehört, das als Aussteller genannt ist. Dafür gibt es verschiedene Wege. Bei einer dezentralen Kennung, die an eine Web-Adresse gebunden ist, veröffentlicht der Aussteller seinen öffentlichen Schlüssel unter seiner eigenen Domain — wer der Domain vertraut, vertraut dem Schlüssel.
Für höhere Vertrauensstufen kommen Vertrauenslisten oder qualifizierte elektronische Siegel nach der eIDAS-Verordnung hinzu. Für die meisten Bildungsnachweise genügt die Bindung an die bekannte Domain des Ausstellers; für Abschlüsse mit europäischer Reichweite gewinnt das qualifizierte Siegel an Bedeutung.
- Schlüssel unter der eigenen Domain veröffentlichen.
- Privaten Schlüssel sicher verwahren und Wechsel planen.
- Für europäische Nachweise ein qualifiziertes Siegel prüfen.
Términos
- Aussteller (Issuer)
- Stelle, die einen Nachweis erstellt und signiert, etwa eine Hochschule.
- Inhaber (Holder)
- Person oder Stelle, die einen Nachweis verwahrt und vorlegt.
- Prüfer (Verifier)
- Stelle, die einen vorgelegten Nachweis auf Echtheit und Gültigkeit prüft.
- DID
- Dezentrale Kennung nach W3C-Standard, über die ein öffentlicher Schlüssel gefunden werden kann.
- Statusliste
- Signierte Liste von Bits, über die der Widerruf von Nachweisen erkennbar ist.
Preguntas frecuentes
Was ist ein Verifiable Credential?
Ein digitaler Nachweis nach dem offenen W3C-Standard, den ein Aussteller signiert und den jeder Prüfer ohne Rückfrage auf Echtheit, Unverändertheit und Widerruf prüfen kann.
Brauche ich eine Blockchain für Verifiable Credentials?
Nein. Der Standard schreibt keine Blockchain vor. Signatur und Statusliste funktionieren mit gewöhnlicher Web-Infrastruktur; personenbezogene Daten gehören ohnehin nicht in unveränderliche Register.
Wie wird ein Verifiable Credential widerrufen?
Über eine signierte Statusliste des Ausstellers. Jeder Nachweis hat eine Position in der Liste; ist das Bit gesetzt, ist er widerrufen. Die Liste enthält keine Namen.
Was ist der Unterschied zu einem PDF-Zertifikat?
Ein PDF ist für Menschen gemacht und leicht veränderbar. Ein Verifiable Credential ist maschinenlesbar und kryptografisch signiert; jede Änderung macht die Signatur ungültig.
Así funciona en Universe
Artículos relacionados
- Open Badges oder Verifiable Credentials? Standards im VergleichOpen Badges und W3C Verifiable Credentials im Vergleich: Datenmodell, Prüfung, Version 2 und 3, Einsatzgebiete und welcher Standard wofür passt.
- Zertifikat auf Echtheit prüfen: So funktioniert der QR-CodeWie man ein Zertifikat oder Zeugnis per QR-Code auf Echtheit prüft, was eine Prüfseite zeigen sollte, wie Fälschungen auffallen und worauf Aussteller achten müssen.
- Europass und European Digital Credentials erklärtWas Europass und die European Digital Credentials for Learning sind, wie man sie ausstellt, verwahrt und prüft und was das Learning Model leistet.
- Microcredentials: Was sie sind und was sie enthalten müssenWas Microcredentials nach der Ratsempfehlung von 2022 sind, welche Angaben sie enthalten sollen und wie sie sich von Zertifikaten unterscheiden.
